Salar de Uyuni oder wieso ist es in einer Wüste denn so kalt?

Da wir unbedingt die Salzwüste sehen wollen, nehmen wir also die lange Busfahrt in Kauf und nehmen den Nachtbus nach Tupiza. Nach den ganzen Überlegungen und Hin & Her, wie wir zur Salzwüste kommen, sind wir jetzt guter Dinge. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, was bei dieser Busfahrt auf uns zukommt. Schon nach kurzer Busfahrt die 1. Unterbrechung: Der Reifen hat einen Platten und muss gewechselt werden. Um Mitternacht dann die 2. Unterbrechung: Ein Reisebus vor uns hatte einen schlimmen Unfall und unser Bus konnte dann für ca. 3 Stunden nicht weiterfahren, da die Straße blockiert war. Kurz vor dem Mittagessen am nächsten Tag gibt es dann die 3. Unterbrechung: Hinten am Bus ist die Achse gebrochen und er kann nur noch mit ca. 30kmh weiterfahren und bei jeder noch so kleinsten Unebenheit auf der Straße springen wir auf unseren Sitzen auf und ab. Uns reicht es jetzt, wir steigen am nächsten kleineren Örtchen aus. Da wir nur noch ca. 1 Stunden von Tupiza entfernt sind, nehmen wir uns ein Taxi. Letztendlich kommen wir nach einer 20-stündigen Busfahrt (6 Stunden Verspätung) in Tupiza an. Aber unsere „Pechsträhne“ geht weiter. Da Uyuni ja schon seid längerer Zeit blockiert ist, weichen alle Touristen auf Tupiza aus. Darum sind alle „guten“ Touren bereits ausgebucht. Und wir wollen auf alle Fälle gleich morgen los, weil unsere gemeinsame Reisezeit ja begrenzt ist und wir auch noch nach Peru reisen wollen. Nach Abklappern vieler Touranbieter finden wir dann letztendlich noch eine total überteuerte Tour, die wir dann für den nächsten Tag buchen. Wir sind total happy, dass es doch noch für den nächsten Tag geklappt hat und gehen erst mal gemütlich Abendessen und decken uns dann auch gleich mit Proviant für die Tour ein. Als wir ins Hostel zurückkommen, kommt uns gleich die Frau entgegen, bei der wir die Tour gebucht haben. Sie hätte schlechte Neuigkeiten für uns, der Jeep-Fahrer hätte abgesagt und wir können die Tour morgen nicht machen. Wir waren echt sauer, weil wir die Tour ja schon bezahlt hatten und wir auch keine neue Tour mehr suchen können, da es ja schon spät abends war. Sie hat uns dann versprochen, nochmal nach einem Fahrer zu suchen, sie könne uns aber erst morgen früh Bescheid geben. Am nächsten Morgen dann die gute Neuigkeit: Sie hat einen Fahrer auftreiben können, wir können aber erst gegen 11 Uhr los, also ca. 3 Stunden später als die anderen Touren. Aber das ist uns egal, wir sind einfach nur froh, dass wir nach all dem hin und her jetzt endlich in die Salzwüste können. Und wir hatten großes Glück mit unserem Fahrer „Santos“. Denn was wir schon von anderen Reisenden gehört und im Reiseführer gelesen haben, steht und fällt die Tour mit dem Fahrer. Wir haben schon Geschichten gehört, dass viele Fahrer auf der 3-Tägigen Tour nichts reden und erklären, oder dass sie auch oftmals betrunken Auto fahren. All das hat auf unseren Fahrer Santos nicht zugetroffen und er war ein herzensguter Mensch und ein super Autofahrer. Die 3 Tage waren Abenteuer und Adrenalin pur.

Am ersten Tag ging es also mit etwas Verspätung aber guter Laune los. Nach 2 Stunden Fahrt durch eine traumhafte Landschaft gab es dann die erste Aufgabe für Santos „Assistenten“ Tobi und Domi. Die Reifen hatten wenig Luft und mussten mit einer Handpumpe aufgepumpt werden. Vor dem Mittagessen gab es dann die zweite Aufgabe für die Assistenten. Die Luft hatte nicht ausgereicht, ein Reifen muss gewechselt werden. Danach hatten die Assistenten erst mal Pause und wir fuhren durch eine tolle Landschaft, die Stunde von Stunde wechselte. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da Santos in dieser Gegend aufgewachsen ist, zeigte er uns Plätze und Ecken, die wir mit einem anderen Fahrer bestimmt nicht gesehen hätten. So langsam wurde es dann dunkel. Hier haben wir dann auch bemerkt, dass die Lichter des Jeeps nicht wirklich funktionieren und wir keine 2 Meter weit sehen. Aber für Santos kein Problem, er fährt einfach im Dunkeln weiter:-) Wir hatten aber noch einen großen Teil unserer Strecke bis zu unserer ersten Unterkunft vor uns, weil wir ja später als die anderen Gruppen losgefahren sind. Im Auto wurde es auch immer kälter. Wir wollten auch nicht mehr aussteigen um Fotos zu machen, draußen war es bitterkalt (ca. -10 C.). Kurz vor unserem Ziel mussten wir dann noch einen Fluss überqueren. Dieser war aber aufgrund der Kälte halb zugefroren. Jetzt wurde es richtig abenteuerlich. Wenn wir auf dem Fluss einbrechen, kommen Eissplitter in die Motorhaube und dann wird es gefährlich. Aber es gibt keinen anderen Weg auf die andere Seite, es ist stockdunkel, bitterkalt und wir haben keinen Handyempfang. Santos, der bisher immer souverän wirkte, fragte uns, was wir machen sollen. Das ist kein gutes Zeichen:-) So langsam bekomme ich auch richtig Angst. Wir fahren dann den Fluss entlang und schauen, ob wir ihn an einer anderen Stelle passieren können. An einer Stelle scheint es möglich zu sein. Tobi und Domi schauen nach der perfekten Spur und räumen die Steine beiseite, die im Weg liegen. Wir müssen erst an einer Böschung vorbei und der Wagen kippt fast um. Mir ist echt zum Heulen zumute. Wir sind alle angespannt, dann wird Anlauf genommen und wir fahren über den Fluss. Geschafft! Der Rest der Fahrt verläuft ohne Probleme. Wir sind heilfroh, als wir um ca. 23 Uhr in unserer Unterkunft ankommen. Die heiße Suppe steht schon bereit und nach einem schnellen Abendessen verschwinden wir in die Schlafsäcke. Für heute haben wir genug Abenteuer.

Der nächste Tag verläuft ohne Probleme und technische Mängel am Auto:-) Wir legen wieder eine große Strecke zurück und sehen beeindruckende Landschaften. Wir machen Stopps an der grünen und roten Lagune, sehen rote Flamingos und das absolute Highlight die Geysire. Am Abend übernachten wir im Salzhotel.

Am 3. Tag kommt dann das eigentliche Highlight, die Salzwüste. Der Salar de Uyuni ist der größte Salzsee (12106 km²) und liegt auf einer Höhe von 3653m. Wir startet früh morgens, so dass wir rechtzeitig zum Sonnenaufgang in der Salzwüste sind. Nach einem kurzen Fotoshooting, geht es schon weiter zur Insel Incahuasi, die für ihre vielen meist bis zu 20m hohen Kakteen bekannt ist. Da alle Touren das gleiche Programm haben, reiht sich hier auf dem „Parkplatz“ Jeep für Jeep. Als wir an unseren Jeep zurück kommen, gibt es Frühstück. Der Parkplatz ähnelt einer „Apres Ski Bar“. Aber statt Bier und Cocktails gibt es Kaffee und Frühstück im Freien. Die Stimmung ist gut. Danach fahren wir dann endlich mit unserem Jeep über die Salzkruste. Nach einem Mittagessen und der kürzesten Führung (ca. 2min) in einer Salzfabrik ist unsere Tour in Uyuni zu Ende. Wir hatten ja gehofft, dass bis dahin die Blockaden aufgelöst sind, und wir mit einem Bus nach La Paz zurück können. Leider hatten wir Pech und die Bolivianer waren immer noch kräftig am Streiken. So hatten wir 2 Alternativen, entweder wieder mit unserem Santos nach Tupiza zurückfahren und mit dem Nachtbus nach La Paz (was mehrere Stunden Extrafahrt bedeutet) oder einen privaten Fahrer anheuern, der uns Richtung La Paz fährt (was kürzer und stressfreier ist). Wir haben uns natürlich für die 2. Möglichkeit entschieden, aber nicht nur wir hatten diese Idee, sondern die anderen Gruppen auch. Nach längerer Suche und Verhandlungen fanden wir letztendlich eine privaten Fahrer. Wir waren gerade dabei unsere Rucksäcke auf den Jeep zu laden und wollten gerade einsteigen, da kommt ein anderer Mann mit Touris daher, die anscheinend auch für diesen Jeep verhandelt haben. Für uns wäre jetzt kein Platz mehr, wir hätten Pech gehabt. Was war das denn?!Unsere Rucksäcke waren ja bereits verladen. Aber langes Diskutieren brachte nix, wir dürfen nicht mehr mitfahren. Warum die anderen mitfahren durften und wir nicht, bleibt uns ein Rätsel. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als mit Santos ca. 6 St. wieder zurück nach Tupiza zu fahren und zu hoffen, dass wir dort den Nachtbus noch kriegen. Und das Abenteuer geht weiter. Auf der Hälfte der Strecke hat es aufgrund eines Sandsturms Sandverwehungen auf der Straße. Viele Autos sind schon im Sand stecken geblieben und die, die noch nicht feststecken, können nicht vorbei fahren. Aber nicht mit unserem Santos. Er steigt mit seinen zwei Assistenten Tobi und Domi aus und läuft die Strecke ab, wie er fahren könnte um an den Autos vorbei zu kommen. Caro und ich warten im Auto. Dann kommt er zurück, steigt ins Auto ein, drückt aufs Gas und fährt mit vollem Karacho seine Strecke durch den Sand, schießt an der Autoschlange vorbei und kommt vor dem ersten festgesteckten Auto wieder zum Stehen. Wir haben es geschafft! Caro und ich sind total perplex, das ging alles so schnell. Als wir zum Stehen kommen, sagt Santos immer nur: „Oh mein Herz, ich habe solches Herzklopfen, wir haben es geschafft.“ Zurecht hat Santos (=Heiliger) seinen Namen verdient. Der letzte Streckenabschnitt verläuft dann ohne Probleme. Wir bekommen in Tupiza dann noch den letzten Nachtbus, der uns mit 2x umsteigen nach La Paz bringt.

Unserer Ausflug zur Salzwüste war unbeschreiblich toll, aber ein bisschen weniger Abenteuer und Nervenkitzel hätte es mir auch getan:-)
Dieses Mal sind es ziemlich viele Bilder geworden, aber ich konnte mich einfach nicht entscheiden, weil es so viele schöne Bilder gibt.

Viele Grüße aus der „kalten“ Wüste
Steffi & Tobi

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Salar de Uyuni

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Tupiza: -21.437890, -65.719099
Laguna Colorada: -22.215377, -67.777405
Salar de Uyuni: -20.509355, -67.148438
Uyuni: -20.463364, -66.825027
San Antonio de Lipez: -22.548074, -67.247314
Laguna Verde: -22.798338, -67.834396
Eine Nacht im Salzhotel: -20.360078, -67.149811
Friedhof der Züge: -20.476512, -66.830521

 

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5 Antworten auf Salar de Uyuni oder wieso ist es in einer Wüste denn so kalt?

  1. Sabse sagt:

    Oh wow! Das wird meist. lieblings – Beitrag!!! Wie krass….
    Die Bilder sehen ja Klasse aus, richtig Kreativ seid Ihr!!!! Alles liebe und gute weiterhin! Passt auf euch auf!!!

    Sabse & Co

  2. birgit sagt:

    was mich wundert wieso du nach deiner Boliventour mit dem Pfarrer nie in der Salzwüste warst oder Titicacca gemacht hast da bin ich ja als tourist schon hin…..aber egal les das email mit Indonesia und dann reden wir…ich bin von Januar bis März da unterwegs sicher treffen wir uns mal…….

    grüssle

    Birgit

  3. Horschti sagt:

    Coooool!!!!

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